Was ist Coaching?
Beispiel:
Ein Abteilungsleiter eines Maschinenbaukonzerns ist als "high potential" von der Personalabteilung eingestuft und soll dem Vorstand für Marketing nachfolgen. Er arbeitet aber schon jetzt täglich 16 Stunden und ist am Rande der Belastbarkeit. Er betreibt nur Krisenmanagement und seine Mitarbeiter leiden unter der Sprunghaftigkeit seines Arbeitsstils. Kann ihm ein Coach weiterhelfen und ihn auf seine strategischen Aufgaben vorbereiten?
Beispiel:
Ein erfolgreicher Apotheker möchte aus dem Alltagstrott heraus und sucht eine neue Herausforderung. Ihm schweben Alternativen vor, die im Bereich der Weiterbildung und Gesundheitsvorsorge liegen. Kann ihm der Coach bei dieser wichtigen Frage einer neuen beruflichen Orientierung entscheidende Impulse geben?
Definition:
Der Begriff des Coaching kommt ursprünglich vom Englischen Coach, das heißt Kutsche oder Kutscher. Der Kutscher hat die Aufgabe, die Pferde sicher und schnell ans Ziel zu lenken. Diese Bedeutung, jemanden sicher und schnell an sein Ziel zu lenken, hat der Begriff bis heute erhalten (vgl. König und Volmer 2002, S. 9).
Sie kennen Coaching sicher aus dem Sport. Der Trainer ist zum Coach geworden. Das ist allerdings nicht nur ein begrifflicher Wechsel, sondern auch ein inhaltlicher: Während der Trainer einen Sportler dabei unterstützt, seine Fähigkeiten zu entwickeln, bearbeitet der Coach daneben auch persönliche Themen.
Die Erfahrung zeigt, dass der Erfolg des Betreffenden nicht nur von seinen Fertigkeiten, sondern auch von seiner Einstellung abhängt. "Was traue ich mir zu?" "Bin ich davon überzeugt, dass ich es schaffe?" "Wie gehe ich mit Erfolgen und Misserfolgen um?" Coaching ist somit die Unterstützung des Sportlers nicht nur in Bezug auf seine sportlichen Fähigkeiten, sondern ebenso mit Bezug auf seine Einstellungen, Befürchtungen, Ängste, Zweifel und Hoffnungen. Ivan Lendl hat es einmal so zusammengefasst: "Ein Spiel wird nicht auf dem Rasen verloren, sondern im Kopf!"
Der Begriff wurde dann in den 80er Jahren auf die Wirtschaftswelt übertragen. Der Coach hat die Aufgabe, eine Führungskraft, einen Projektleiter, einen Fachexperten oder auch Mitarbeiter und Teams darin zu unterstützen, schnell und sicher bestimmte Ziele zu erreichen (vgl. Weßling u.a. 1999, S. 30ff.).
Für die Ausweitung des Begriffes dürften drei Faktoren maßgeblich gewesen sein:
- Entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens ist in zunehmendem Maße das Wissen der Mitarbeiter und weniger die Technik. Unternehmen leben von der Kompetenz der Mitarbeiter. Ein hoch spezialisierter Fachexperte der IT-Branche lässt sich nicht einfach ersetzen. Er verlangt Freiraum für seine Kompetenz. Das erfordert ein anderes Führungsverhalten: weniger Anweisung und Kontrolle, mehr Unterstützung und Coaching.
- Unternehmerische Situationen und Entscheidungen werden zunehmend komplexer und lassen sich weniger umfassend analysieren und steuern. Zahlreiche Faktoren sind gleichzeitig zu berücksichtigen. Es besteht die Gefahr, wichtige Aspekte außer Acht zu lassen. Coaching ist hier Unterstützung, eine Situation klarer oder aus einer anderen Perspektive zu sehen und damit neue Lösungsmöglichkeiten zu entdecken.
- Klassische Trainingsmaßnahmen haben oft den Nachteil, dass die Umsetzung in den Berufsalltag scheitert. Coaching geht immer auf die konkreten Situationen ein und ist damit direkt in der Praxis.
Daher kann Coaching noch universaler definiert werden als ein personenbezogener Beratungs- und Betreuungsprozess, der berufliche und private Inhalte umfassen kann und zeitlich begrenzt ist (vgl. Rauen 2001, S. 64).
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